Stillen: So gelingt es

Stillen: So gelingt es

Manche Frauen möchten ihr Kind gern stillen, fragen sich aber, ob sie überhaupt stillen „können“.

Meistens lautet die Antwort „Ja“, wenn sie nur ein paar einfache Regeln beachten und mit Freude und Gelassenheit an das Stillen herangehen.

Muttermilch bietet nur Vorzüge:

  • Als Komplettnahrung passt sie sich in jedem Alter automatisch dem Nährstoffbedarf des Kindes an. Sie ist sehr gut verdaulich.
  • Mit der Milch überträgt die Mutter ihrem Kind auch ihre Antikörper. So bietet sie ihm einen gewissen Schutz gegen manche Infektionen.
  • Stillen schützt das Kind zum Teil vor Allergien. Deshalb wird Stillen besonders empfohlen, wenn eine familiäre „Vorbelastung“ (Ekzeme, Asthma usw.) besteht.
  • Muttermilch hat immer die „richtige“ Temperatur, ist immer „fertig“, steril und noch dazu gratis - wie praktisch!

Diese Argumente dürfen jedoch nicht zum Druckmittel werden. Manche Frauen möchten nicht stillen, andere sind sich nicht sicher. Die Entscheidung muss frei getroffen werden dürfen. Vergessen wir nicht, dass Babys zwei bis drei Generationen lang ausschließlich mit dem Fläschchen großgezogen wurden, und auch aus ihnen sind gesunde Erwachsene geworden!

Sollten Zweifel bestehen, ob gestillt werden soll oder nicht, kann es hilfreich sein, bereits vor der Geburt mit anderen Müttern zu sprechen, die gern gestillt haben.

Bei erhöhtem Allergierisiko halten es einige Allergologen heutzutage nicht mehr unbedingt für sinnvoll, dem Baby jeden Kontakt mit neuen Nahrungsmitteln zu ersparen. Sie raten sogar dazu, im Alter von 4 bis 6 Monaten nach und nach bestimmte Lebensmittel einzuführen, damit der Organismus des Säuglings lernt, diese wiederzuerkennen und zu akzeptieren.

Ein guter Start ist wichtig

Viele Frauen fragen sich, ob sie stillen „können“. Tatsächlich ist es so, dass sich die Brüste bereits während der Schwangerschaft „von Natur aus“ vorbereiten, um dann zum Zeitpunkt der Geburt bereit zu sein (selbst wenn es sich um eine Frühgeburt handelt!). Je mehr das Baby anschließend saugt, umso mehr Milch wird produziert.

Einige Voraussetzungen erleichtern das Stillen, insbesondere den manchmal etwas schwierigen Beginn.

Im Idealfall sollte so schnell wie möglich nach der Geburt mit dem Stillen begonnen werden. Bei einer komplikationslosen Geburt wird empfohlen, den Säugling sofort auf den Bauch der Mutter zu legen. Normalerweise findet er instinktiv - in seinem eigenen Tempo - eine Brustwarze und beginnt zu saugen. Ist es ihm nach einer Weile noch nicht gelungen, kann man ihn ein wenig unterstützen… Nach dem ersten Saugen weiß er dann, „wie es geht“!

Das Saugen an der Brust und das Saugen an einer Flasche funktioniert sehr unterschiedlich. Manche Neugeborenen können nicht beides. Wenn die Mutter stillen möchte, sollten daher keine Fläschchen gegeben werden, zumindest nicht in der ersten Zeit.

Das Baby darf nach Bedarf und im eigenen Rhythmus trinken. Der Hunger eines Säuglings kann sehr unterschiedlich ausfallen. Manche Kinder möchten jede Stunde etwas trinken, andere alle zwei bis drei Stunden, und manchmal müssen sie sogar zum Stillen geweckt werden!

Je weniger ein Kind saugt, desto weniger Milch hat die Mutter. Um die Milchproduktion anzuregen, kann das Kind häufiger angelegt werden.

Wenn ein Neugeborenes weint, heißt dies nicht zwangsläufig, dass es Hunger hat (oder dass die Milch seiner Mutter nicht ausreicht!). 

Die ersten Stillversuche werden von Kontraktionen der Gebärmutter begleitet, was schmerzhaft sein kann. Nach drei bis vier Tagen ist diese Phase aber vorbei. Die Kontraktionen dienen der Rückbildung der Gebärmutter.

Nach einer brustverkleinernden Operation kann das Stillen erschwert oder sogar unmöglich sein. Das Einsetzen von Prothesen zur Brustvergrößerung dagegen hat im Normalfall keine Auswirkungen auf das Stillen.

Stillen: richtig oder falsch?

„Durch das Stillen werden die Brustwarzen rissig und schmerzen.“ - Richtig oder falsch ?

Das kann tatsächlich vorkommen. Um solchen Unannehmlichkeiten vorzubeugen, ist es wichtig, beim Stillen auf die richtige Position des Babys zu achten: Der Brustwarze zugewandt, liegt es Bauch an Bauch mit der Mutter, der Mund ist weit geöffnet, die Unterlippe heruntergeklappt, und es umfasst den gesamten Warzenhof mit seinem Mund. Dennoch können die Stillpositionen variiert werden, so lange es sowohl für das Kind als auch für die Mutter bequem ist!

Zu viel Hygiene hat manchmal genau den gegenteiligen Effekt wie beabsichtigt. Seife greift die Haut an und trocknet sie aus. Außerdem tritt aus den Drüsen um die Brustwarze eine Substanz aus, die vor Rissen schützt - es wäre schade, wenn diese mit Seife abgewaschen würde. Somit ist es ausreichend, die Brüste täglich mit klarem Wasser abzuwaschen. Und Ihr Baby zieht Ihren natürlichen Körpergeruch ohnehin allen anderen vor!

Dagegen sollten vor dem Stillen immer die Hände gewaschen werden.

Wenn Stilleinlagen verwendet werden, sollten diese ausgewechselt werden, sobald sie feucht sind.

Bei starken Schmerzen und/oder Fieber, muss ein Arzt aufgesucht werden. Möglicherweise handelt es sich um den Beginn einer Brustentzündung (Mastitis).

Um wunde Brustwarzen zu vermeiden, raten Hebammen dazu, nach dem Stillen einen Tropfen Muttermilch auf dem Warzenhof zu verteilen und dort trocknen zu lassen, bevor der BH wieder angezogen wird.

„Stillen schützt vor einer Schwangerschaft.“ - Richtig oder falsch?

Stillen verzögert das Wiedereinsetzen der Menstruation, schützt aber nicht vor einer neuen Schwangerschaft! Es kann auf keinen Fall als sicheres Verhütungsmittel gelten (siehe unser Dossier „Verhütung“). Eine zuverlässige Verhütungsmethode ist zwingend notwendig, allerdings sind bestimmte hormonelle Verhütungsmittel in der Stillzeit tabu. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

 „Alles, was die Mutter zu sich nimmt, geht in die Muttermilch über, auch Medikamente.“ - Richtig oder falsch?

Die meisten Medikamente gelangen tatsächlich ins Blut. Dies schließt jedoch nicht jede Medikamenteneinnahme aus. Viele Arzneimittel können auch in der Stillzeit angewendet werden. Ihr Arzt kann sie hierzu beraten.

„Wer stillt, muss für zwei essen!“ - Richtig oder falsch?

Was die Mengen angeht, sicher nicht. Wenn Sie für zwei essen, nehmen Sie lediglich ein paar Kilos zu, die sie später schwer wieder loswerden.

Was die Qualität der Nahrung angeht, sollten sie nun allerdings ganz besonders auf eine ausgewogene Ernährung achten und kein Nahrungsmittel ausschließen (außer bei allergischen Reaktionen des Babys). Je abwechslungsreicher die eigene Ernährung ist, desto mehr lernt das Kind unterschiedliche Geschmacksrichtungen zu schätzen!

Alkohol, Tabak und anregende Substanzen gehen in die Muttermilch über und sollten vermieden werden. Raucht die Mutter weiterhin, sollte sie dies möglichst nach einer Stilleinheit tun und sich von ihrem Arzt zu Möglichkeiten beraten lassen, zumindest vorübergehend mit dem Rauchen aufzuhören.

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